Erhöhung der Mehrwertsteuer von

7% auf 19%

Liebe Gäste,
die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 12% im Januar 2024 hat auch unseren Betrieb gezwungen, unsere Preise zu erhöhen. Mein Respekt und meine Wertschätzung gegenüber meinen 50 Mitarbeitern und deren Familien haben diesen Schritt verlangt.

Ich kann verstehen, dass diese Entscheidung bei vielen Menschen auf Unmut und Unverständnis trifft. Immer wieder erreichen mich dazu auch Briefe von Gästen. Ein Beispiel und meine Antwort darauf findet ihr hier.

Gerne stehe ich für Fragen, andere Sichtweisen, andere Meinungen zur Verfügung. Solange solche Gespräche respektvoll, fundiert und liebevoll sind.

Eure Elisabeth Walch
Postwirtin mit Leib und Seele

Sehr geehrte Frau Walch,

ich kann es verstehen, daß die Gastronomie möglichst wenig Steuern zahlen möchte.
Aber ich kann mich nicht erinnern, daß die Preise heruntergesetzt worden wären, als 2020 die Mehrwertsteuer auf 7 % gesenkt wurde.
Die Steuersenkung war als vorübergehend gedacht und ein Entgegenkommen des Staates. Die Mehrwertsteuer betrug vor der Pandemie 19 % und jetzt wieder.
Was soll das Wehgeschrei?
Hätten Sie damals um 12 % die Preise gesenkt, könnten Sie jetzt wieder 12 % erhöhen.

Mit freundlichen Grüßen
M.

Liebe Frau M.,

vielen Dank für Ihre Reaktion. Was ich sehr schade finde, ist dass, Sie mein Anliegen und Bitten zum miteinander reden auf „Augenhöhe und respektvoll“ nicht so ganz bei Ihnen angekommen ist. Denn Sie beschreiben genau eine Seite.

Ich schreibe Ihnen, nicht um Sie zu belehren, sondern in der Hoffnung, dass Sie vielleicht auch eine andere Sichtweise zulassen können.

Dinge die ich als verantwortungsbewusste Unternehmerin und Arbeitgeberin von 50 Mitarbeitern und deren Familien habe und mit Leib & Seele lebe.

  1. Wir hier in der POST scheuen keine Kosten, um unsere Mitarbeiter zu halten, integrieren, zu bekommen.
  2. Ich bilde aus, meine Azubis bekommen neben dem doppeltem Azubi Gehalt, Wohnungen, Essen gestellt. Wie sollten sie hier sonst leben können?
  3. Ich zahle meinen Mitarbeitern einen hausinternen Sprachkurs, mit der Möglichkeit ein Zertifikat zu machen.
  4. Wir haben seit Corona eine Mitarbeiterkosten Erhöhung von 25 %.
  5. Die Lebensmittelpreise sind in einigen Gruppen so gestiegen, dass wir mit 240 % Preiserhöhungen umgehen müssen.
    Ein kleines Beispiel : Vor Corona habe ich 19,80 € für eine volle Fritteuse gebraucht, heute haben sich die Einkaufspreise mehr als verdoppelt. Heute zahle ich für die Befüllung 47,60 €. Also 27,80 € mehr als vor Corona. In Prozent ausgerechnet sind das 240 %.
  6. Die Energiepreise sind auch für uns Gastronomen enorm gestiegen.
  7. In meiner Welt ist mit der Mehrwertsteuer Erhöhung, die Türe wieder offen für Schwarzgeld, also Geld an der Steuer vorbei. Will das die Politik wirklich? Es gibt leider immer noch genug Gastronomie, wo es die Regel ist Schwarzgeld zu regenerieren, durch die 19 % wird es nicht besser.
  8. Fastfoodketten, große Konzeptbetriebe, Metzgereien alle die mit „to go“ Geschäft also mit 7% arbeiten – von diesen Betrieben hören wir gerade gar nichts. Wo ist hier die Gerechtigkeit? Ich war gestern bei einem dieser Betriebe und habe mir das erste Mal seit Jahren einen Cheeseburger geholt – Aua. Ein Automat für das Bestellen, kein Kellner. Über die Qualität und Nachhaltigkeit des Essens sage ich nichts. Wollen wir nur noch Fastfood Läden?
  9. Wir haben im Rahmen der Nachhaltigkeit teures Geschirr gekauft, das wieder verwendbar oder verwertbar ist.
  10. Ich hatte 7 Tage die Woche für 8,50 € einen Mittagstisch für den Herrschinger Hilfsdienst, Senioren, denen wir einen lebenswerten, kulinarischen Mehrwert bieten wollen – hier eine Erhöhung von einem Euro pro Tag heute 9,50. Es gibt Senioren, die täglich bestellen können, aber auch welche nur ein oder zweimal die Woche, weil sie sich nicht mehr leisten können.
  11. Ich bin seit 24 Jahren selbstständig und durch die ein oder andere Kriese durch. Wir Wirte und Wirtinnen, sind für den Erhalt von vielen Werten und einer gelebten Lebensfreude.
  12. Gerne lade Sie ein, bei uns mal ein paar Stunden, eventuell sogar Tage mitzuarbeiten.  Ich glaube, dass wir ein komplett anders Verständnis füreinander erlangen könnten.
  13. Ich würde gerne meinen Sohn in Zukunft den Betrieb übergeben. Hier habe ich die Generation der life work Balance am Start. Die Jugend will nicht mehr so viel arbeiten wie wir, aber dasselbe Geld verdienen. Das spüren wir Branchenübergreifend.

Gerne lade ich Sie auf eine Fuhre Kartoffeln ein mit den Beilagen Ihrer Wahl und würde mich auf eine netten Austausch zu Ihnen setzen.

Herzliche Grüße
Elisabeth
Postwirtin mit Leib & Seele